Zeltformen
Kuppelzelte
Die iglu- oder kuppelförmige Form dieses Zelttyps wird durch zwei oder mehrere Gestängebögen gebildet, die sich in der Mitte des Zeltes kreuzen. Durch ihren Aufbau sind sie selbsttragend und bieten sich so auch für den Einsatz auf Untergründen an, auf denen ein Zelt nur schwer fixiert werden kann. Außerdem können Kuppelzelte auch nach dem Aufbau noch verrückt werden. Sie sind windstabil, leicht aufzubauen und benötigen nur wenige Heringe. Das Kuppelzelt ist sicherlich die am meisten genutzte Zeltform.
Geodätische Kuppelzelte
Auch diese Zelte haben eine die Form eines Iglus. Sie unterscheiden sich jedoch von den klassischen Kuppelzelten dadurch, dass sich die Gestängebögen mehrfach überkreuzen. Größtenteils werden dazu drei bis vier Bögen verwendet. Dadurch erreichen sie eine größere Stabilität als die klassischen Kuppelzelte, was sie besonders für Einsätze unter extremen Wetterbedingungen prädestiniert. Durch die Konstruktion und die größere Anzahl an Gestängebögen sind sie natürlich schwerer.
Tunnelzelte
Die annähernd röhrenförmige Konstruktion der Tunnelzelte wird durch zwei oder mehrere parallele Gestängebögen gebildet. Da sich die Gestänge nicht kreuzen, sind diese Zelte nicht selbstragend und müssen relativ gut abgespannt werden. Wenn man das gewissenhaft erledigt hat, sind die meisten Tunnelzelte ebenfalls extrem windstabil. Auch sie werden häufig unter extremen Bedingungen, wie etwa auf Winterexpeditionen eingesetzt. Durch die verhältnismäßig steilen Seitenwände haben Tunnelzelte ein gutes Verhältnis von Grundfläche zu Nutzfläche. Die Konstruktion ermöglicht sehr leichte Zelte.
Firstzelte
Mit den schrägen Zeltwänden, die durch zwei (oder mehrere) gerade Zeltstangen aufgespannt werden, waren sie früher der Inbegriff eines Zeltes. Inzwischen sind Firstzelte weitgehend vom Markt verdrängt worden und fast nur noch als Billigzelte zu finden. Im Vergleich zu den modernen Konstruktionen sind sie kompliziert aufzubauen, benötigen extrem viele Abspannpunkte und bieten durch die schrägen Wände nur eine geringe Kopffreiheit im Inneren. Wenn sie allerdings gut abgespannt wurden, erwiesen sich auch diese Zelte als äußerst windstabil.
Quer- und Längsschläfer
So gut wie alle diese Zelte lassen sich als Quer oder Längsschläfer konstruieren. Bei Längsschläfern sind die Eingänge und Apsiden am Kopf- bzw. Fussende angeordnet. Bei Querschläfern liegen sie seitlich neben dem ausgestreckten Zeltbewohner. Der Vorteil eines Querschläfers liegt darin, das man beim Ein- und Aussteigen nicht am Kopf seines Nachbarn vorbei klettern muss. Dazu ist der Eingang größer und auch die Apsiden sind in der Regel geräumiger. Da man sein Gepäck neben sich hat, ist auch das hantieren mit der Ausrüstung in einem Querschläfer meist komfortabler.
Doppeldach-Zelt oder Singel-Wall?
In den meisten Fällen wird ein Doppeldach-Zelt verwendet. Es besteht aus einem Aussenzelt und einem Innenzelt. Während das Aussenzelt vor den Wettereinflüssen, also Sturm und Regen oder Schnee schützt, sorgt das Innenzelt dafür, dass man Abstand zum Aussenzelt hält. Denn meistens sind die Belüftungen eines Zeltes nicht ausreichend, um alle Kondensfeuchtigkeit aus dem Zeltinneren zu transportieren. Und diese schlägt sich auf der Innenseite des Aussenzeltes nieder. Ein Abstand ist also notwendig, um zu verhindern, dass man selbst und die Ausrüstung nass wird.
Bei Single-Wall-Zelten verzichtet man auf das Innenzelt, um Gewicht zu sparen. Sie werden eigentlich nur auf Winter- und Hochgebirgstouren eingesetzt, bei denen es auf ein minimales Gewicht ankommt. Bei allen anderen Einsätzen überwiegen ihre Nachteile.
Aussenzelt oder Innenzelt zuerst?
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für Zelte ergibt sich aus der Reihenfolge des Aufbaus. Zum einen gibt es Zelte, bei denen das Innenzelt zuerst aufgebaut wird. Anschließend wird das wasserdichte Aussenzelt darüber gespannt. Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, das man z.B. in warmen und trockenen Nächten auf das Aussenzelt verzichten kann. Damit ist das Zelt besser belüftet und man genießt dennoch einen gewissen Schutz vor fremden Blicken, lästigen Mücken und anderen ungewollten Gästen.
Dem stehen Zelte gegenüber, bei denen das Gestänge im Aussenzelt verläuft und bei denen das Innenzelt anschließend eingehängt wird, bzw. bereits eingehängt ist. Das vereinfacht den Aufbau um einige Arbeitschritte, was besonders bei Regen oder Sturm eine große Hilfe ist. Allerdings verzichtet man auf die oben genannte Belüftung in den warmen Nächten. Außerdem stehen die Gestängekanäle in den meisten Fällen etwas hervor und bieten Wind so eine größere Angriffsfläche. Ist das Zelt nass geworden, müssen Innen- und Aussenzelt zum trocknen umständlicher getrennt werden, als dies bei der Aussenzelt-zuerst-Variante der Fall ist.
Großraumzelte
Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich diese Zelte „der neuen Generation“. Einige Hersteller haben ihre Kuppel- und Tunnelzelte um einiges größer dimensioniert und bieten diese Formen nun als Familienzelte mit Stehhöhe an. Damit Konkurrieren sie mit den klassischen Hauszelten aus Baumwolle, wie sie früher auf allen Campingplätzen zu finden waren. Ihre Vorteile liegen klar auf der Hand. Sie sind wesentlich leichter aufzubauen und ihr Gewicht liegt beträchtlich unter dem der klassischen Baumwollzelte. Ausserdem sind die Stoffe wasserdichter. Aber es gibt auch einige Nachteile, die man kennen sollte, um späteren Frust zu vermeiden. Die verwendeten Kunststoffe altern bei starker Sonneneinstrahlung deutlich schneller als die „alten“ Baumwollstoffe. Ausserdem sind sie nicht so atmungsaktiv. Und diesen Effekt bemerkt man deutlich, wenn das Zelt schlecht belüftet ist und große Flächen des Bodens ohne Abdeckung sind. Hiermit sind besonders die großen Vorräume gemeint. Denn dort steigt Feuchtigkeit aus dem Boden auf, die anschließend am Aussenzelt kondensiert. Schlecht belüftete Zelte dieser Art können also zur „Tropfsteinhöhle“ werden. Offene Zelteingänge, gute Lüfter und eine Bodenplane für die Apsis können dieses Problem reduzieren.
Material
Polyester
Polyester ist ein gutes Zeltmaterial und findet seinen Einsatz als Material für Aussenzelte, Innenzelte und Zeltböden. Sehr häufig wird es für Zelte der unteren und mittleren Preisklasse verwendet. Es nimmt nur wenig Feuchtigkeit auf und ist relativ UV-beständig.
Polyamid
Den meisten unter der Bezeichnung Nylon bekannt, wird es für viele hochwertige Zelte verwendet. Hochwertige Polyamidgewebe sind reißfester und leichter als vergleichbare Polyesterstoffe. Ihre Scheuerfestigkeit prädestiniert sie außerdem für den Einsatz in Zeltböden. Ohne eine schützende Beschichtung sind sie UV-anfälliger als die Polyester-Varianten. Ausserdem nehmen sie mehr Feuchtigkeit auf, was nach einer feuchten Nacht meist zu einem traurigen Eindruck am nächsten Morgen führt, wenn die Nylonzelte etwas schlapp durchhängen und erst mal nachgespannt werden müssen.
PU-Beschichtungen
Beschichtungen aus Polyurethan werden häufig in Kombination mit Polyester-Material verwendet. Sie sind stabil, flexibel und preiswerter als Silikonbeschichtungen. Ausserdem ist es möglich, die Nähte mit Nahtband zu versiegeln.
Silikon-Beschichtungen
Meist in Kombination mit Polyamidgeweben werden sie vor allem für die hochwertigen Zelte der gehobenen Preisklasse verwendet. Sie gelten als extrem dauerhaft und man sagt ihnen nach, die Reißfestigkeit des Materials zu erhöhen. Der einzige Nachteil den Silikonbeschichtungen haben: man kann die Nähte nicht mit Nahtband versiegeln. Statt dessen muss man einen zähflüssigen Nahtdichter vor der Benutzung von Hand auftragen.
Glasfiber vs. Aluminiumgestänge
Glasfibergestänge finden heute nur noch bei Billigzelten ihren Einsatz. Der große Nachteil an ihnen ist die Bruchempfindlichkeit. Und wenn sie einmal gebrochen sind, lassen sie sich kaum mehr reparieren, denn sie splittern und fransen dabei aus. Das erhöht zudem das Risiko, dass die Zeltstoffe bei einem Bruch des Gestänges beschädigt werden.
Die bessere Alternative sind Zeltgestänge aus Aluminium. Sie sind weniger empfindlich gegen Brüche und lassen sich im Notfall leichter reparieren. Dann kann man einfach eine Reparaturhülse über die Bruchstelle schieben und mit etwas Klebeband fixieren. So wird das Gestänge wie bei einem Knochenbruch geschient und kann nach dem Urlaub ausgetauscht werden. So gut wie alle Hersteller guter Zelte bieten einzelne Gestängesegmente als Ersatzteile an.
Natürlich wird Aluminium nicht in seiner Rohform eingesetzt, sondern als Legierung. Die Beimengung anderer Elemente erhöht die Flexibilität und die Stabilität des Aluminiums. Besonders gute Gestänge stellen die Firmen Easton und DAC her, die von vielen namhaften Zeltfirmen verwendet werden.
Einsatzbereiche
Im Folgenden haben wir einige typische Einsatzbereiche und die dafür am besten geeigneten Zeltformen aufgeführt, um Ihnen bei der Auswahl ihres neuen Heims behilflich zu sein.
Reisen in Schlechtwettergebieten
Egal ob sie mit dem Kanu, zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wenn es sie typische Schlechtwettergebiete zieht, sollten sie ein Zelt wählen, bei dem das Innenzelt bereits beim Aufbau in das Aussenzelt eingehängt ist. So können sie es auch im Regen aufbauen, ohne das es im Inneren nass wird. Ausserdem sollten sie auf eine große Apside achten, in der sie bequem ihr Gepäck ausbreiten können und zudem genug Platz finden, um sicher zu kochen, wenn draußen das Unwetter tobt. Auch im Innenzelt ist genug Platz notwendig, um auch mal einen ganzen Tag im Zelt auszuhalten, falls es das Wetter verlangt. Sehr gute Materialien und windschnittige Konstruktionen sollten ein weiteres Kriterium sein.
Reisen ins Warme
Hier sind Zelte ideal, bei denen sich das Innenzelt separat aufstellen lässt. So ist man vor Mücken und fremden Blicken geschützt und kann trotzdem wohl belüftet schlafen. Und wenn es dann doch einmal regnet, kann man schnell das wasserdichte Überzelt darüber werfen. Meistens werden die Kuppelzelte diesen Ansprüchen am ehesten gerecht.
Helle Zelte erwärmen sich in der Sonne weniger schnell, als Zelte mit einer dunklen Farbe. Muss man sein Gepäck sicher vor Schlangen und Skorpionen verstauen, sollte im Innenzelt genug Platz vorhanden sein.
Wintertouren
Soll es im Winter auf Tour gehen, sollte man zunächst ein Zelt auswählen, dass groß ist. In der kalten Jahreszeit brauch man viel Platz, da man viel Ausrüstung dabei hat. Auch die warmen Schlafsäcke brauchen viel Platz und wenn man wegen des Schneesturms vor der Türe drinnen kochen muss, wird es ohnehin richtig eng.
Spezielle Winterzelte werden oft mit Schneelappen („Snowflaps“) ausgestattet. Sie verlaufen rund um das Zelt und können mit Schnee beschwert werden. Das erhöht nicht nur die Stabilität des Zeltes, sondern verhindert auch, dass Schnee durch den Wind ins Innere geblasen wird. Viele Wintertourengeher bevorzugen geodätische Kuppelzelte, da sie viel Schneelast aushalten können und sehr windstabil sind. Aber auch Tunnelzelte bieten sich im Winter an, da sie auch bei Sturm von einer geübten Person relativ leicht aufzubauen sind.
Bergsteigen
Wenn es ins Hochgebirge geht, sollte man sein Augenmerk zuerst auf ein möglichst niedriges Gewicht legen. Außerdem sind freitragende Kuppelzeltkonstruktionen von Vorteil, da es nicht immer gute Abspannmöglichkeiten gibt. Sturmstabilität ist ein weiteres wichtiges Kriterium.
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